Honig, oder besser bezeichnet als Bienenhonig, besteht aus dem Nektar von Blüten oder dem zuckerhaltigen Ausscheidungsprodukt verschiedener Insekten wie zum Beispiel den Blattläusen. Letzteres wird auch als Honigtau bezeichnet. Honigbienen sammeln nicht nur den Nektar von Blüten, sondern auch den Honigtau der Blattläuse. Dieser stellt die Grundlage für Waldhonig oder Tannenhonig dar. Die Bezeichnung „Honig“ und seine Kennzeichnung ist in einer eigenen Rechtsvorschrift, der sogenannten Honigverordnung klar geregelt.Das deutsche Wort „Honig“ wurde ursprünglich aus der indogermanischen Sprache abgeleitet und bedeutet soviel wie „goldfarben“. Tatsächlich gibt es heute eine Vielzahl an Honigarten in den unterschiedlichsten Farbschattierungen vom weißen Rapshonig bis hin zum aromatischen dunklen Waldhonig. Medizinisch gesehen zählt Honig zu den ältesten Arzneimitteln der Geschichte und wurde bereits vor 3600 Jahren in der ägyptischen Heilkunde beschrieben. Heute gilt Honig als gesundes Lebensmittel und wird umfangreich in der Volksmedizin genutzt.

Bereits in der Steinzeit sammelten die Menschen Honig von Wildbienen. Ein bisher ältester Beleg dafür ist die Felszeichnung eines mesolithischen Honigjägers in den Cuevas de la Arana, zu Deutsch „Spinnenhöhlen“, in Spanien. Die Zeichnung zeigt eine, auf einen Baum gekletterte Person, die mit einer Hand in einer Baumhöhle Honig sammelt und dabei von Bienen umschwirrt wird. In der anderen Hand hält sie Sammelgefäß. Das Alter der Felszeichnung wird zwischen 12 000 und 8 000 Jahren geschätzt. Die erst im 20 Jahrhundert entdeckten Höhlen mit ihren Malereien zählen heute zum Weltkulturerbe. Die beschriebene Technik der Honiggewinnung wird noch heute bei der Wildhonigernte in Teilen Asiens und Südamerika betrieben. Auch in Europa war das gewerbsmäßige Sammeln von Wildhonig lange Zeit weit verbreitet. Die sogenannte „Zeidlerei“ wurde im Mittelalter von einem Waldimker betrieben. Der Zeidler legte in alten Bäumen künstliche Höhlen an, sodass sich wilde Bienenvölker darin ansiedeln konnten. Später wurde die Bienenwirtschaft verfeinert und die Bienen wurden in gezimmerten Bienenstöcken oder in Bienenkörben aus Stroh nahe beim Hof gehalten um die Ernte zu erleichtern.

Im Mittelalter war Honig die einzige Quelle für Süßstoff und entsprechend wertvoll. Erst mit der Einfuhr von Rohrzucker und später dem Anbau von Zuckerrüben in Europa wurde die Verwendung von Honig weitgehend zurückgedrängt. Heute sind es im Schnitt lediglich 1,3 kg Honig pro Kopf im Jahr die wir zu uns nehmen. Obwohl Honig ebenso großteils aus Zucker, genaugenommen einem Gemisch aus Glucose und Fructose besteht, gilt er als gesunde Alternative zum Zucker und wird sogar als sogenanntes Superfood bezeichnet. Ob als Brotaufstrich, in Getränken, Marinaden oder in Gebäck, Honig sollte in der Küche möglichst nicht zu stark erhitzt werden, da durch diesen Vorgang viele seiner gesundheitsfördernden Eigenschaften vermindert werden.

Honig enthält geringe Mengen an Vitaminen, Mineralstoffen und Aminosäuren. An freien Aminosäuren ist überwiegend Prolin enthalten, welches im menschlichen Körper unter anderem für die Bildung von Collagen benötigt wird. Die Analyse der genauen Zusammensetzung der Aminosäuren in einem Honig ermöglichen eine regionale Zuordnung nach der Herkunft. Auch verschiedene leicht flüchtige Aromastoffe sind typisch für das Herkunftsgebiet und vor allem die Honigsorte. So ist zum Beispiel der sogenannte „Lindenether“ typisch für Lindenhonig. Manche Honigsorten können aber auch leicht toxische Stoffe enthalten, wie zum Beispiel Diterpene von Rhododentronarten.  

Wie Hippokrates von Kos einst sagte: Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel, und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein. Dies gilt ganz besonders für den Honig. Die Wirksamkeit von Honig ist unter anderem auch von seiner Herkunft, also von der jeweiligen Sorte abhängig. So wird reiner Sortenhonig volksmedizinisch auch entsprechend der Heilwirkung seiner Trachtpflanzen verwendet. Der helle Kleehonig ist zum Beispiel besonders reich an Flavonen und Flavonoiden. Ihm wird eine besonders schleim- und krampflösende Wirksamkeit zugeschrieben. Weißdornhonig wird, wie seine Wirtspflanze besonders bei Herzproblemen empfohlen. Honig der überwiegend vom Heidekraut stammt, ist herb im Geschmack und wird bei Nieren- und Blasenbeschwerden angewendet. Melissenhonig und Lavendelhonig wirken leicht nervenberuhigend. Des Weiteren wird Lavendelhonig aufgrund seiner antiseptischen Eigenschaften auch zur Wundheilung angewendet. Lindenhonig wird bei fiebrigen Erkrankungen eingesetzt, ebenso wie zur Nervenberuhigung oder bei Reizhusten.

Honig wird auch häufig als Bestandteil in verschiedenen Zubereitungen eingesetzt. So ist zum Beispiel ein Auszug von Thymiankraut in Honig ein besonders wirksames Hustenmittel. Durch seine reizlindernden und beruhigenden Eigenschaften ist Honig generell ein beliebter Bestandteil von zahlreichen Hustenmischungen. Aufgrund seines hohen Zuckergehalts gilt er auch seit alters her als Stärkungsmittel. Schon in der Antike brachte Honig bei Schwächezuständen rasche Kräftigung. Aufgrund seiner bakterienhemmenden und heilungsfördernden Eigenschaften wurden Honigauflagen auch lange Zeit zur Heilung von Wunden verwendet. Durch die enthaltenen Enzyme wirkt sich Honig auf positiv auf unsere Verdauung aus. Im Magen wirkt Honig sich stabilisierend auf die Säureproduktion aus. Besonders bei einem nervösen Reizmagen entfaltet der Honig seine heilende und reizlindernde Wirksamkeit.

Das Volksheilmittel Oxymel erfährt aktuell eine wahre Renaissance. Bereits in der Materia Medica des Dioscorides beschrieben, wurde die Honigmedizin nachweislich schon in der Antike verwendet. Der Name Oxymel bedeutet soviel wie „saurer Honig“ und besteht aus einer Grundlage von Honig mit Essig vermischt. Diese Grundlage dient als Auszugsmittel für verschiedene Heilkräuter, die in ihrer Wirksamkeit auf die jeweilige Anwendung abgestimmt sind. Hildegard von Bingen beschrieb in ihrer Physica mehrere Arten von Oxymel. Auch heute wird die Honigmedizin nicht nur zur Stärkung des Immunsystems verwendet, sondern gilt als wahres Breitband-Allheilmittel. Die arabische Variante des Oxymels wird „sekanjabin“ genannt und ist im Orient als erfrischendes Getränk weit verbreitet.

Heute stellt die Honigbiene das drittwichtigste Nutztier in der landwirtschaftlichen Produktion dar. Hierbei liegt das Augenmerk in erster Linie auf der Biene als Bestäuber, die so den landwirtschaftlichen Ertrag unserer Felder sichert. Dabei stellt die derzeitige Intensivierung unserer Landwirtschaft ein großes gesundheitliches Risiko für unsere Honigbienen dar. Einerseits bewirken die Monokulturen eine verkürzte Lebensdauer der Tiere. Zusätzlich ist natürlich eine hohe Belastung durch Pflanzenschutzmittel und Düngemittel gegeben. Durch die großen Völkerzahlen der Zuchtbienen als Nutztier sind diese auch anfälliger für Parasiten und Vieren geworden, weshalb hier mittlerweile veterinärmedizinische Maßnahmen notwendig geworden sind.

Quellen:

Lehrbuch der pharmazeutischen Biologie (Hänsel/Hölzl)
Die Bienen-Hausapotheke (Manfred Neuhold)
Das groß Buch vom Oxymel (Gabriela Nedoma)

https://www.apitherapie.at/
https://www.imkerbund.at/
https://www.ages.at/download/0/0/3ea616db3e0e77e4c4e4ecf315a702b9504f2fec/fileadmin/AGES2015/Themen/Lebensmittel_Dateien/Honig_Kennzeichnung.pdf
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20003174
https://www.bzfe.de/lebensmittel/vom-acker-bis-zum-teller/honig/honig-gesund-essen/
https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/inhibine/34079
https://www.chemie.de/lexikon/Inhibin.html
https://www.gesundheit.gv.at/aktuelles/honig-gegen-husten
https://www.petdoctors.at/hund/ernaehrung-leckerlis/honig
https://www.tieraerztekammer.at/fileadmin/daten/Oeffentlicher_Bereich/Kammer/Positionen/2021/Honigbiene_-_Veterinaermedizinische_Massnahmen.pdf

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