Der Ingwer ist eine ausdauernde krautige Pflanze aus der Familie der Ingwergewächse von denen 52 Gattungen und über 1200 Arten bekannt sind. Als Gewürz gelangte der Ingwer schon im Altertum über arabische Händler nach Europa. Verwendet wird das aromatische Rhizom. Dieses treibt einen dicken Stängel mit langen lanzettenförmigen Laubblättern, welche der Pflanze ein schilfartiges Aussehen geben.

Als tropische Pflanze ist der Ingwer nicht winterhart. Zu den Hauptanbaugebieten zählen Indien, Nigeria und China. Aber auch in anderen tropischen Gebieten Südostasiens, in Südamerika, Australien und Frankreich wird Ingwer angebaut. Seit einiger Zeit wird Ingwer auch bei uns kultiviert. Im burgenländischen Seewinkel wird Ingwer seit Kurzem in großen Folientunnels angebaut.

Der Ingwer zählt zu den traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln. Vom HMPC ist die Anwendung der Wurzel bei Reisekrankheit, Übelkeit und Erbrechen anerkannt. Desweiteren kann Ingwer zur Linderung der Symptome bei Magen-Darm-Beschwerden und Blähungen sowie zur allgemeinen Unterstützung der Verdauung verwendet werden. Vom ESCOP wird Ingwer innerlich bei Appetitlosigkeit, Magen-Darm-Beschwerden sowie gegen die Symptome von Reisekrankheit empfohlen. Eine Bewertung der Kommission E des geschälten, frischen oder getrockneten Ingwerrhizoms sowie dessen Zubereitungen empfiehlt eine innerliche Anwendung bei dyspeptischen Beschwerden sowie zur Verhütung der Symptome bei Reisekrankheit. Eine Verwendung bei Gallensteinleiden ist nur nach Rücksprache mit dem Arzt empfohlen. Eine Verwendung bei Schwangerschaftserbrechen wird nicht empfohlen.

Volksmedizinisch werden Ingwer und seine Zubereitungen bei Erkältungen, Grippe, Übelkeit, Reisekrankheit sowie bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt. In Untersuchungen wurden entzündungshemmende, blähungstreibende, verdauungsfördernde, schmerzlindernde, antimikrobielle sowie spasmolytische, antiemetische, antidiabetische, antioxidative und antitumorale Eigenschaften nachgewiesen. In der TCM und im Ayurveda wird Ingwer schon seit Langem verwendet. Traditionell wird er hier auch bei rheumatischen Beschwerden, Muskelschmerzen und Erkältungen eingesetzt. Ingwer wird einerseits frisch oder getrocknet und gemahlen verabreicht. Es sind aber auch verschiedene Fertigprodukte wie Kapseln, Tees, Bonbons, kandierter Ingwer, und andere im Handel erhältlich.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe des Ingwers sind seine ätherischen Öle, welche hauptsächlich aus Sesquiterpenen und Monoterpenen zusammengesetzt sind und 1 bis 2 % der Gesamtinhaltsstoffe ausmachen. Des Weiteren sind die sogenannten Gingerole sowie Harze, organische Fette und Säuren enthalten. Die Gingerole sind die wichtigste geschmackgebende Komponente im Ingwerrhizom. Desweiteren wurden bei diesen Wirkstoffen entzündungshemmende Eigenschaften festgestellt. Weitere Scharfstoffe die im Ingwer enthalten sind wären Shogaol und Zingeron. Außerdem ist Vitamin C enthalten sowie wertvolle Mineralstoffe wie Magnesium, Eisen, Calcium, Kalium, Natrium und Phosphor.

Sogar in der Tiermedizin findet Ingwer Anwendung. Aufgrund der entzündungshemmenden und stoffwechselfördernden Wirkung wird er bei Pferden als Heilmittel bei Entzündungen und Arthrose eingesetzt. Vom NHV Theophrastus wurde Ingwer zur Heilpflanze des Jahres 2018 gewählt.

In Studien wurde eine antioxidative und zellschützende Funktion des Ingwers beobachtet. Desweiteren wurden antitumorale und krebshemmende Eigenschaften gezeigt. Eine positive Wirkung bei der Behandlung von Darmkrebs mit aus dem Ingwer extrahiertem Zingeron wurde beobachtet. Desweiteren wurde gezeigt, dass Extrakte aus Ingwer zu einer Verringerung der Zelllebensfähigkeit, einer Induktion von Apoptose und einer Erhöhung des ROS-Spiegels bei chronisch myeloischen Leukämiezellen führt. Auch die Nebenwirkungen der Chemotherapie bei Krebspatienten können durch die Einnahme von Ingwer reduziert werden. Entzündungshemmende und krebsbekämpfende Eigenschaften auf die Tumorzellen von Leberkrebs wurden ebenso beobachtet. Bei Brustkrebs zeigten Gingerole eine antitumorale sowie antimetastatische Wirkung.

Ingwer fördert aufgrund der enthaltenen Gingerole die Resorption zahlreicher Verbindungen im Darm, darunter auch Arzneistoffe. In den meisten Fällen wirkt Ingwer dabei synergistisch mit Piperin aus dem schwarzen Pfeffer, welches die Bioverfügbarkeit der Inhaltsstoffe des Ingwers zusätzlich erhöht.

Ingwer ist nicht nur als Arzneipflanze bekannt, sondern auch ein beliebtes Küchengewürz. Vor allem in der asiatischen Küche ist Ingwer kaum wegzudenken. Kandiert ist Ingwer eine beliebte Süßspeise. Auch zum Aromatisieren von Getränken wird Ingwer gerne verwendet.

Kandierter Ingwer:

Frische Ingwerwurzel gut reinigen und in kleine Würfel schneiden. Auf 300g gewürfelte Ingwerwurzel nimmt man ca. 350g Zucker, den Zucker mit ca. 300ml Wasser aufkochen, die Ingwerwurzeln hinzufügen und ca. 1/2h Stunde köcheln lassen. Dabei immer wieder rühren. Das Wasser in der Zuckerlösung wird langsam reduziert und die Ingwerwurzeln werden weich und geben auch sehr viel Aroma an die Zuckerlösung ab.  Anschließend die fertigen Ingwerwurzeln mit einem Sieblöffel herausnehmen, auf ein Backblech geben und in Feinkristallzucker wälzen, sodass sie schön mit Zucker bedeckt sind. Anschließend trocknen lassen. Hierbei habe ich im Backrohr etwas nachgeholfen und das ganze bei ca. 80°C nochmal eine Stunde trocken lassen und die fertigen kandierten Ingwerwurzeln anschließend in ein Glas abgefüllt. Die übrig gebliebene Zuckerlösung ist voller herrlichem Ingweraroma und kann zum Süßen von Tee verwendet werden, was besonders jetzt zur Erkältungszeit sehr gut tut, oder man verarbeitet sie weiter zu Ingwer-Bonbons.

Ingwer – Likör:

150 g frische zerkleinerte Ingwerwurzel
½ Zimtstange
5-6 Gewürznelken
5-6 schwarze Pfefferkörner
80 g Zucker
2 L Korn 40%ig

Alle Zutaten in ein Ansatzgefäß geben und mit dem Korn auffüllen. Der Ansatz sollte ca. 2-3 Monate ziehen, danach wird abfiltriert. Der Likör kann noch einige Wochen ziehen oder gleich genossen werden.

Ingwer – Öl:

50 g frische zerkleinerte Ingwerwurzel500 ml Sonnenblumenöl

Den Ingwer zusammen mit dem Öl in ein Ansatzgefäß geben und ziehen lassen. Eine Kombination mit Chili wäre bestimmt ebenso möglich. Der Ansatz sollte ca. 3 Wochen ziehen. Danach wird abfiltriert. Das Öl eignet sich besonders gut für die asiatische Küche.

 

 

https://www.ema.europa.eu/en/medicines/field_ema_web_categories%253Aname_field/Herbal?search_api_views_fulltext=zingiber
 https://buecher.heilpflanzen-welt.de/BGA-Kommission-E-Monographien/

Lehrbuch der pharm. Biologie (Hänsel/Hölzl)

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