Mitten in der malerischen südsteirischen Hügellandschaft, nahe der slowenischen Grenze, liegt der Sternhof. Bereits 250 Jahre Geschichte schreibt

das alte Bauernhaus, wenn auch mehrfach von den Bewohnern renoviert, blieb der Charme des alten Gemäuers stets erhalten. Eine Feuerstelle hinterm Haus zeugt von geselligem Zusammensein. Die zahlreichen Obstbäume die den Platz umringen, werden abends gern von Rehen und anderen Wildtieren besucht.

Seit Anfang der 70iger Jahre hat Erika Swoboda das alte Gehöft übernommen und es in ihrem Sinne weitergeführt. Der Hauch von neuen Ideen, Künstlern, Aussteigern und alternativen Lebensweisen liegt noch immer in der Luft. Neben dem traditionellen Blumenschmuck, den alten Obstbäumen und der typischen dunklen Holzvertäfelung entdeckt das geschulte Auge auch alte indische Tempelsteine, Windspiele und tibetische Gebetsfahnen. Der Wind trägt den Geist vieler Kulturen und Ideen über die Wiesen, bis hinauf zur nahegelegenen Remschnigg Alm.

Es ist Frühsommer. Die Rosen blühen, die alten Apfelbäume tragen bereits kleine Früchte und die Frösche quaken munter in einem nahegelegenen

Teich am Waldrand. Der typische Duft feuchter, grüner Vegetation umhüllt einen, wie es hier in der südsteirischen Fluss- und Hügellandschaft üblich ist. Die Pflanzen wachsen um die Wette. Der Holunder ist schon fast verblüht. Giersch und Brennnesseln ringen um das Sonnenlicht. Auf den Wiesen brummt und summt es.

Am Waldrand trifft man auf einen stummen Wächter. Der bleiche Schädel eines Rehbocks, blickt einem mit spiralförmigen Pupillen entgegen. Er ist ein Geselle der sich bereits außerhalb der Zeit befindet, als wäre er schon immer da gewesen und würde noch für alle Ewigkeiten hier verweilen. Bei näherer Betrachtung erkennt man, dass seine Pupillen nicht zu ihm gehören. kleine Schnecken haben in seinen kühlen Augenhöhlen Schutz gesucht. Selbst der Holzstoß auf dem er ruht wird bereits vom Ruprechtskraut überwuchert.

Nahe dem Weiher steht eine alte Weide. In ihrem kühlen Schatten findet man Holzbänke zum Verweilen. Auch ein weiterer Zeitzeuge alternativer Ideen ist hier zu finden. Als noch vor wenigen Jahrzehnten viele Blumenkinder hier ein und aus gingen, wurden neue Gedanken zu alternativer Energie und Spiritualität aufgegriffen und umgesetzt. Der Wassermann hat hier seine Fußabdrücke hinterlassen. So auch Wolfgang Wiedergut, der diesen Ort gewählt hat, um nach den Lehren eines Wilhelm Reich ein Orgon-Ei zu bauen. Viele haben es besucht um an den kosmischen Energien teilzuhaben. Viele von ihnen sind auf ihrem Weg weitergezogen. Doch vielleicht sind auch manche von ihnen eingegangen in die kosmischen Sphären, wie es alle großen Spiritisten früher oder später tun werden.

Indische Sitarklänge hüllen den Sternhof jeden Morgen in ein zeitloses Klanggebäude, wenn Erika Swoboda hier ihre Yoga-Übungen vollführt. Vielleicht ist es dieses tägliche Ritual, dass die liebe Erika vom Zahn der Zeit beschützt. Zumindest ist

ihrem Gesicht ihr Alter kaum anzumerken. Wer sie kennt, blickt in das strahlende Lächeln einer junggebliebenen Frau. Oder liegt es doch an ihrer handgemachten Naturkosmetik, die sie hier am Sternhof seit Jahrzehnten entwickelt und verfeinert hat? Um dieses Geheimnis muss man die liebe Erika wohl selbst fragen. Ein zeitloser Ort schafft wohl zeitlose Menschen. Und einen Hauch dieser Zeitlosigkeit nimmt man auch als Besucher auf, wenn man ein wenig am Sternhof verweilt.

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