Jeder hat im Garten seine eigenen Vorlieben. Manche mögen es ordentlich und aufgeräumt, andere mögen es wild und verwachsen. Abhängig davon ergibt sich in weiterer Folge der Arbeitsaufwand, der mit dem Garten zusammenhängt. Ein ordentlicher Garten, so wie wir Menschen uns das vorstellen, braucht viel Zeit und Pflege.
Für Berufstätige ist dieser immer wiederkehrende Aufwand oft schwer in den Alltag zu integrieren, denn jedes „Muss“ verliert seinen Erholungswert und wird schleichend zur lästigen Pflicht. Natürlich gibt es dafür dienstreiche Geister wie Mähroboter, wuchernde Hecken kann man durch künstliche Zäune ersetzen oder man richtet sich überhaupt einen Schotter- oder Steingarten ein, der von Zeit zu Zeit mit Unkrautvernichter behandelt wird. Doch ist das wirklich der wahre Jakob?
Gerade in Zeiten längerer Trockenperioden verwandeln sich kurzgehaltene Rasenflächen in braune, verhärtete Erde, Steingärten speichern übermäßig Hitze und erzeugen ein stadtähnliches Klima und mit den grünen Hecken, die einst einen dämpfenden und kühlenden Zwischenraum geschaffen haben, verschwinden auch die Verstecke für Vögel und Kleintiere. Der Garten wird steril und leblos und verliert schlimmstenfalls jeglichen Erholungswert.
Ich persönlich bevorzuge den naturnahen Garten und möchte Euch hier gerne auf einen kleinen Streifzug durch meine kleine Idylle einladen. Die Vorteile eines naturnahen Gartens sind reichlich und es bedarf nur wenig Aufwand, wenn man die Natur einfach tun lässt.
Während aufgrund der Trockenheit in diesem Frühling die umliegenden Wiesen heuer schon früh gemäht wurden, habe ich das Gras weitgehend einfach stehen gelassen. Nur die Beerensträucher und die Flächen rund um die Hochbeete, wo mein Gemüse wächst, werden regelmäßig getrimmt. Das Ergebnis ist eine grüne, saftige Blumenwiese, die viele Bienen und andere Insekten anlockt.
Von den großen und kleinen Wildbienen, die hier Nahrung und Unterschlupf finden, freut mich ganz besonders die schwarze Holzbiene. Beim Lustwandeln im Garten konnte ich beobachten, dass sie ihr Haus in einem abgestorbenen Ast des alten Apfelbaums in der Mitte des Gartens hat. Als ich mich vorsichtig für ein Foto näherte, kam sie aufgeregt direkt auf mich zu und „scannte“ mich mal von oben bis unten ab. Da ich offenbar aber kein Fressfeind war, widmete sie sich wieder ihrer Brutpflege. Der Gedanke das in meinem Garten gerade kleine Holzbienenbabys wachsen macht mir große Freude.
In den hohen Grashalmen konnte ich eine Sichelwespe bei der Jagd beobachten. Sie zählt zu den Schlupfwespen, welche als wichtige Nützlinge im Garten bekannt sind. Schlupfwespen verrichten aufgrund ihrer Lebensweise biologische Schädlingsbekämpfung. Abhängig von der Art bevorzugen sie die Larven von Motten, Käfern oder anderen Insekten als Wirtstiere. Dort legen sie jeweils ein Ei mit ihrem Legbohrer ab. Die Larve der Schlupfwespe wächst dann im Inneren des befallenen Wirtstieres heran. Dieses wiederum wird langsam von der Larve verzehrt, was den Bestand der Schädlinge auf natürliche Weise dezimiert.
Gut, die vielen Trauerrosenkäfer in diesem Jahr grasen mir zwar die schönen Blüten ab, aber ich weiß auch sie zählen zu den Nützlingen, da ihre Larven den Aufbau von Humus und damit den Boden verbessern. Außerdem werden durch die vielen Insekten auch verschiedene Singvögel in meinem Garten angelockt. Zwischen den Bäumen und in den Hecken finden sie Schutz und die Wiese bietet ihnen dabei genug Nahrung.
Wichtig ist, gerade jetzt bei Trockenheit und im Sommer auch geeignete Wasserstellen zu bieten! So habe ich an verschiedenen Plätzen im Garten alte Email-Töpfe meiner Großmutter zweckentfremdet und daraus Trinkbrunnen gemacht. Diese eignen sich wunderbar, da sie nicht korrodieren und auch bei Temperaturschwankungen nicht springen oder versickern lassen. Für Insekten lege ich Steine in das Wasser, durch die sie besseren Zugang haben und nicht drohen zu ertrinken. Unter einem dieser Töpfe wohnt inzwischen sogar zeitweilig eine Kröte und hatte hier im letzten Sommer schon ihre Kinderstube.
Die Obstbäume bilden bereits kleine Früchte und es herrscht ein beschauliches Lichtspiel unter dem grünen Blätterdach. Astlöcher und abgestorbene Rinde dienen hier oft als Behausung oder Versteck für so manchen kleinen Gartenbewohner. Man muss nicht immer alles sofort abschneiden, in einem naturnahen Garten regelt sich so manches von selbst.
Diese verträumte Stimmung, die meinen Gartenplatz so erholsam macht, wird durch den steinernen Buddha in der Mitte des Gartens verstärkt. Er ruht dort, Sommer wie Winter, zeitvergessen, und nimmt das Leben hin wie es wirbelnd an ihm vorüberzieht. Der Wind hat meinen tibetischen Gebetsfahnen inzwischen schon etwas zugesetzt. Doch auch das muss und soll so sein. Mit jedem Faden der sich aus dem Gewebe löst werden Mantras und gute Gedanken um die Welt getragen. Nichts ist von Dauer. Alles vergeht, zieht weiter und entsteht wieder neu im ewigen Kreislauf der Natur.