Unscheinbar in seiner Erscheinung begegnet uns der Wolfstrapp auf feuchten Wiesen oder an Bachufern und Waldlichtungen. Durch seine unterirdischen Ausläufer wuchert die krautige Pflanze oft üppig an ihrem Standort und ist sehr konkurrenzstark. Der deutsche Name „Wolfstrapp“ bezieht sich ebenso wie die botanische Bezeichnung „Lycopus“ auf die Blätter der Pflanze, die dem Abdruck einer Wolfspfote ähneln sollen. Daher wird die Pflanze im Volksmund auch als Wolfsklaue oder Wolfsfuß bezeichnet. Gelegentlich sind ähnliche, volkstümliche Bezeichnungen auch für das Herzgespann (Leonurus cardiaca) zu finden, welches ebenso gezackte Blätter aufweist und zur Familie der Lippenblütler gehört. Ansonsten zählen die beiden Heilpflanzen nicht zur selben Gattung. Dennoch kann es hier gelegentlich zu Verwechslungen kommen.
Während das Herzgespann bei nervösen Herzbeschwerden eingesetzt wird, wirkt der Wolfstrapp auf das menschliche Hormonsystem und wird bei leichter Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt. Typische Symptome einer solchen Hyperthyreose sind Herzrasen, Nervosität und vegetativ-nervöse Störungen. Besonders bei nervösen Herzstörungen die bedingt durch eine Schilddrüsenüberfunktion ausgelöst werden, können sich die beiden Heilpflanzen gut ergänzen. Die Verwendung als Tee ist in der Volksmedizin dennoch eher selten. Meist werden fertige Kombinationspräparate in Form von Tinktur oder homöopathische Zubereitungen eingesetzt.
Eine positive Bewertung der Kommission E nennt ein bis zwei Gramm Wolfstrappkraut als Tagesdosis für Tee oder Tinktur. Dennoch wird hier bei anhaltenden Beschwerden von einer Selbstmedikation gewarnt, da eine Schilddrüsenerkrankung nicht unkritisch sein kann und immer ärztlich begleitet werden sollte. Auch sollte Wolfstrapp nicht bei Schilddrüsenunterfunktion eingesetzt werden und eine Behandlung sollte nicht abrupt abgesetzt, sondern langsam ein- und ausgeleitet werden, da das empfindliche Hormonsystem mit einer darauffolgenden Verstärkung der Beschwerden reagieren kann. Ansonsten gilt der Wolfstrapp als gut verträgliche Heilpflanze.
Die medizinische Wirkung des Wolfstrapps ist hauptsächlich auf seine sekundären Pflanzeninhaltsstoffe zurückzuführen. Insbesondere die enthaltenen Flavonoide und Phenolcarbonsäuren beeinflussen den Jodtransport und das schilddrüsenstimulierende Hormon TSH. Desweiteren senkt der Wolfstrapp die Ausschüttung des Sexualhormons Prolaktin, welches die Milchsekretion der Brustdrüsen anregt, sowie den Eisprung und die Regelblutung hemmt. Durch diese Dämpfung des Sexualhormons ist bei der Anwendung von Wolfstrapp auch mit einer verminderten Libido zu rechnen. Jedoch kann die Anwendung bei prämenstrualen Beschwerden durchaus hilfreich sein.
Gesammelt wird Wolfstrappkraut zur Blütezeit von Juli bis September. Dabei können sowohl der europäische Wolfstrapp (Lycopus europaeus) wie auch der aus Amerika stammende virginische Wolfstrapp (Lycopus virginicus) verwendet werden. Das frische Kraut wird anschließend für Teezubereitungen getrocknet oder zu Tinkturen oder anderen Auszügen weiterverarbeitet.
Aktuelle Studien haben auch eine immunmodulierende Wirkung des Wolfstrapps beobachtet. Dabei sind die genauen Wirkungsmechanismen noch weitgehend unbekannt. In der traditionellen chinesischen Medizin wird Wolfstrapp desweiteren als blutaktivierendes und diuretisches Mittel sowie zur Behandlung von Ödemen eingesetzt. Auch hier wurde durch Studien eine entzündungshemmende Wirkung sowie eine Linderung bei Nierenfunktionsstörungen untermauert. In weiteren Studien wurde eine regulierende Wirkung bei diabetischer Nephropathie, eine Aktivierung des Blutflusses sowie antifibrotische und antioxidative Wirksamkeit beobachtet.
Auch wenn der Wolfstrapp in Europa bereits in mittelalterlichen Arzneibüchern genannt wird, so erlebt er doch aktuell eine wahre Renaissance in der medizinischen Forschung. Durch die Betrachtung bekannter volksmedizinischer Ansätze wie auch traditioneller chinesischer Medizin und deren wissenschaftlicher Erforschung ist hier noch mögliches Potential auch in der anerkannten Phytotherapie zu erwarten.
Studien:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34248640/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41802508/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25422551/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20862973/