Ob Tannenbaum, Julbaum oder Christbaum genannt, die meisten von uns haben das grüne Bäumchen, welches uns durch die Raunächte getragen hat, inzwischen wieder abgebaut. Somit hat es für dieses Jahr seinen Zweck erfüllt und wird verworfen oder den Tieren zum abnagen gegeben. Doch können auch wir noch einige wunderbare Zubereitungen aus dem aromatischen Grün zaubern. Die Grundvoraussetzung dafür ist, dass es sich beim Tannenbaum um einen ungespritzten Baum, wenn möglich in Bio-Qualität handelt!

Die heilkundliche Verwendung der Tanne reicht bis in die Antike zurück. So wird sie in den Schriften von Hippokrates von Kos oder in „de Materia Medica“ des Pedanios Dioskurides erwähnt. Die Äbtissin Hildegard von Bingen erwähnte den balsamischen und belebenden Geruch der Tannenzweige und Nadeln und beschrieb die Verwendung des Harzes zur Wundheilung. Der Pfarrer und Naturarzt Sebastian Kneipp empfahl Tannentee bei Husten und Verschleimung zur Förderung des Auswurfs. Der Absud soll nervenstärkend bei Nervosität und Unruhe wirken. Des Weiteren empfahl er ein Sitzbad aus aufgekochten Tannenzweigen bei Erkältung und Blasenentzündung.

In der Volksheilkunde werden Tannen und Fichten ähnlich verwendet. Von der Kommission E wurden frische Fichtenspitzen sowie Fichtennadelöl bewertet und eine innerliche Anwendung bei Erkältungskrankheiten der Atemwege, sowie eine äußerliche Anwendung bei rheumatischen Beschwerden sowie bei Nervenschmerzen beschrieben. Allerdings erhielten bisher weder Tanne noch Fichte eine Einstufung als traditionelles Arzneimittel.

Vorsicht jedoch bei der Anwendung von Tannenöl bei Bronchialasthma und Keuchhusten! Des Weiteren sollte es nicht im Bereich des Gesichts, sowie bei Säuglingen und Kleinkindern unter 2 Jahren angewendet werden. Auch wird empfohlen Tannenbäder nicht bei größeren Hautverletzungen oder entzündlichen Hauterkrankungen sowie bei Fieber, Herzinsuffizienz und bei Hypertonie anzuwenden.

Doch nun zu den Rezepten. Eine sehr einfache Zubereitung ist ein Badetee. Dazu werden die frischen Tannennadeln abgerebelt. Man kann auch kleine Zweige schneiden, wobei die holzigen Teile weniger gute Inhaltsstoffe und Aroma mit einbringen. Daher bevorzuge ich es, die Nadeln von den Zweigen zu rebeln. Dies funktioniert ganz einfach, indem man gegen die Wuchsrichtung arbeitet. Von diesen Nadeln verwendet man ca. 150 bis 200 g auf 2 bis 3 Liter Wasser. Die Nadeln werden zusammen mit dem Wasser aufgekocht. Anschließend lässt man sie für ca. 20 Minuten zugedeckt simmern, bis ein schöner, intensiver Sud entsteht. Diesen Badetee verwendet man anschließend in einem warmen Vollbad als Badezusatz.

Eine weitere Möglichkeit wäre ein feines Badesalz mit Tannennadeln. Als Bad oder Inhalation wird es bei Erkältungskrankheiten verwendet, sowie auch äußerlich bei rheumatischen Beschwerden oder Muskel- und Gelenksschmerzen. Man benötigt dazu:

500 g Salz (Meersalz oder Steinsalz)
1 Tasse frische Tannennadeln
1 Tasse Milchpulver (optional)
1-2 EL Olivenöl, oder wer hat ein Mazerat aus Tannennadeln
10 Tr. Äth. Weißtannenöl

Wir alle kennen das: Tannennadeln pieken! Daher empfiehlt es sich, diese für das Badesalz gut zu zerkleinern. Erst muss man die Nadeln von den Zweigen abrebeln. Man kann sie anschließend klein schneiden, was zugegeben, eine etwas mühsame Arbeit ist. Tannennadeln sind spröde und beim Schneiden spritzen sie gern durch die Gegend. Die einfachere Variante ist, sie in einer Kräutermühle oder Kaffeemühle fein zu mahlen. Dabei sollte man allerdings die Mühle vorher gut gereinigt haben, um keine anderen Aromen in die Zubereitung zu bringen.

Sind nun die Tannennadeln fein gemahlen, werden sie mit dem Salz und dem Milchpulver gut vermischt. Das Milchpulver sorgt dafür, dass sich die Öle in der Zubereitung besser im Badewasser verteilen. Es hat also emulgierende Eigenschaften. Wer sein Badesalz allerdings vegan halten möchte, kann auch auf das Milchpulver verzichten oder zu veganem Milchpulver greifen. Das ätherische Öl wird zuerst mit dem fetten Trägeröl vermischt. Anschließend wird die Ölmischung der Salzmischung beigefügt und gut eingearbeitet. Das fertige Badesalz wird in Gläser abgefüllt oder gleich genossen.

Wer ein ätherisches Öl das erste Mal verwendet, sollte vor der Verwendung einen Verträglichkeitstest auf dem Handrücken oder in der Armbeuge durchführen. Dazu werden wenige Tropfen des Öls mit einem fetten, hautfreundlichen Trägeröl vermischt und auf der entsprechenden Stelle aufgetragen. Tritt nach einiger Zeit keine Hautrötung oder Juckreiz auf, ist das Öl gut verträglich und kann für Zubereitungen verwendet werden.

Wenn wir nun alle ausreichend gebadet haben, benötigt unsere Haut auf jeden Fall eine entsprechende Pflege. Gerade nach einem Vollbad ist die Haut besonders gut aufnahmefähig. Wie wäre es hier mit einem feinen Tannennadel-Massageöl? Dazu werden frische Tannennadeln, oder auch zerkleinerte kleine Zweige für 2 bis 3 Tage in gutem Olivenöl ausgezogen. Ich zerkleinere dabei auch die Nadeln, um möglichst viel von den guten Inhaltsstoffen in das Öl zu übertragen. Wichtig dabei ist auch, ständig zugedeckt zu arbeiten, damit die leicht flüchtigen Inhaltsstoffe während des Auszugs nicht entweichen.

Die zerkleinerten Tannennadeln werden in einen Topf gegeben und gut mit Olivenöl bedeckt. Ich arbeite hier nicht mit genauen Mengen, sondern versuche den Auszug möglichst intensiv zu machen. Da ich selbst immer wieder Probleme mit dem Bewegungsapparat habe, füge ich hier auch gern zerstoßene Wacholderbeeren bei, da diese die gute Wirkung der Tannennadeln verstärken. Der Wacholder zählt zu den traditionellen, pflanzlichen Arzneimitteln. Zu den traditionellen Anwendungen gehören die innerliche Anwendung zur Durchspülung der Harnwege sowie bei Blähungen und dyspeptischen Beschwerden. Äußerlich wird er bei Muskel und Gelenksbeschwerden verwendet.

Tannennadeln und Wacholderbeeren werden nun zusammen mit dem Olivenöl auf ca. 70°C erwärmt. Der Ansatz sollte nicht zu heiß werden, da man die Nadeln ja nicht frittieren möchte. 70°C ist ein Kennwert, denn man sowohl aus der Kosmetikherstellung wie auch aus der Küche kenn, da ab dieser Temperatur pathogene Keime wie z.B. Salmonellen abgetötet werden. Außerdem hilft die Wärme die spröde Struktur der Tannennadeln und Zweige aufzubrechen, und die guten Inhaltsstoffe herauszulösen. Über 2 bis 3 Tage wird die Zubereitung mehrmals am Tag auf diese Temperatur erwärmt, einige Zeit gehalten und wieder abgekühlt. Dabei sollte man vor allem in der Wärmephase unbedingt zugedeckt arbeiten.

Hat man nun ein schön intensives Tannennadelöl erhalten, wird dieses abfiltriert. Man kann es direkt als Massageöl verwenden, oder wer möchte, kann es auch als Basis in einer Mischung mit passenden ätherischen Ölen wie Weißtanne, Fichte, Kiefer oder Zirbe verwenden. Auch als Basis für eine feine Muskel- und Gelenkssalbe ist es gut geeignet. Dafür verwende ich:

200 ml Tannennadelöl mit Wacholder
50 g Tannenharz (bzw. Fichten- oder Kiefernharz)
30 g Bienenwachs
1 TL Lanolin
10 Tr. Äth. Wacholderöl
10 Tr. Äth. Weißtannenöl

Zuerst muss das Harz zusammen mit dem Öl gereinigt werden. Dafür wird das Tannennadelöl zusammen mit dem Baumharz unter ständigem Rühren erwärmt.  Dabei ist darauf zu achten, das Gemisch nicht zu sehr zu erhitzen. Das Harz schmilzt allmählich und verbindet sich mit dem Öl zu einer klaren Flüssigkeit. Die Verunreinigungen in Form von Nadeln, Rindenstücke und Sonstigem was im Harz kleben bleibt, können nun leicht durch ein feines Sieb abfiltriert werden. Vorsicht! Das Harz ist sehr klebrig, doch das verwendete Sieb lässt sich im Anschluss leicht mit Isopropanol oder einem anderen geeigneten Lösungsmittel reinigen. Vom Filtrieren durch einen Nylonstrumpf oder Ähnlichem möchte ich hier eher abraten. Dadurch besteht die Möglichkeit, dass man Mikrofasern des Kunststoffs in die Zubereitung bringt.

Das fertige Öl-Harz-Gemisch wird nun vorsichtig nochmal auf ca. 70°C erwärmt. Unter ständigem Rühren wird das Bienenwachs und das Lanolin hinzugefügt. Sobald dieses geschmolzen und alles gut vermischt ist, nimmt man die flüssige Salbe von der Wärmequelle. Wer die Salbe besonders stark wirksam haben möchte, fügt in der Abkühlphase bei ca. 30°C die ätherischen Öle bei. Diese werden vor dem Abfüllen zu getropft und eingerührt. Anschließend wird in saubere Braunglastiegel abgefüllt. Man lässt die Salbe kalt werden bis sie fest geworden ist.

Ich hoffe bei diesen Rezepten ist für jeden Geschmack etwas dabei und wünsche Euch viel Spaß und gutes Gelingen beim Verarbeiten!

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