Der Tiger ist in Asien ein Symbol für Kraft und Stärke und ist wohl eine passende Markenbezeichnung für diesen wohltuenden und wirksamen Balsam. Ursprünglich wurde die Zubereitung im 19. Jahrhundert von einem chinesischen Drogisten entwickelt, der die Rezeptur nach seinem ältesten Sohn benannte. Mittlerweile ist das Produkt weltweit bekannt, wobei es zahlreiche Abwandlungen davon gibt.
Grundsätzlich gibt es zwei Varianten. Der weiße Tigerbalsam ist reich an Menthol und Campher und hat eine kühlende Wirkung. Dieser eignet sich besonders gut bei Kopfschmerzen, Insektenstichen oder Sportverletzungen bei denen Kühlung Linderung bewirkt. Dabei darf der Balsam stets nur auf Intakte Haut aufgetragen werden und nicht in den Bereich der Augen oder Schleimhäute gebracht werden. Der rote Tigerbalsam hat eine wärmende Wirkung die unter anderem durch das enthaltene Zimtöl hervorgerufen wird. Besonders jetzt im Winter liebe ich die wärmende Wirkung bei Muskelverspannungen und bei kalten Füßen.
In den meisten Handelsprodukten wird als Salbengrundlage mineralölbasierende Vaseline verwendet. Daher habe ich mich entschlossen meinen eigenen Tigerbalsam herzustellen. Als Basis dafür verwende ich hautfreundliche, pflanzliche Öle, Lanolin und Bienenwachs. In diese Grundlage werden anschließend die wirksamen ätherischen Öle eingearbeitet. Da „Tigerbalsam“ eigentlich eine Markenbezeichnung ist, wäre es eigentlich angebracht, eine eigene Bezeichnung für mein Rezept zu finden, wie zum Beispiel „Bertel-Balsam“, benannt nach meinem grauen Tigerkater Bertel. Da „Bertel-Balsam“ allerdings nicht einmal halb so gut wirksam klingt, und ich meine Leser nicht verwirren möchte, bleibe ich einstweilen bei der Bezeichnung „Tigerbalsam“. Doch nun zum Rezept:
Als Salbenbasis:
200 ml Olivenöl (für eine bessere Wirksamkeit kann auch Johanniskrautöl verwendet werden)
25 g Bienenwachs
20 g Lanolin
Kühlende Wirkstoffe:
20 Tropfen äth. Campher-Öl (Ct: Borneon)
20 Tropfen äth. Eukalyptusöl
20 Tropfen äth. Pfefferminzöl
1 g Levomenthol
Wärmende Wirkstoffe:
40 Tropfen äth. Nelkenknospenöl
40 Tropfen äth. Zimtrindenöl
Zuerst wird das fette Öl zusammen mit dem Bienenwachs und dem Lanolin vorsichtig erwärmt bis alle Bestandteile geschmolzen sind. Ich verwende hier gerne als Basis Johanniskrautöl, welches ich im Sommer zuvor bereitet habe. Da Johanniskrautöl alleine schon eine sehr gute Wirkung bei Muskel- und Gelenksbeschwerden hat, wird die Wirkung vom Balsam zusätzlich verstärkt.
Sind alle Bestandteile geschmolzen und gut vermischt, nimmt man die Salbenbasis von der Wärmequelle und lässt sie weitgehend abkühlen. Sie sollte aber unbedingt noch flüssig sein, bevor man die ätherischen Öle einarbeitet. Eine Temperatur zwischen 30 und 40 °C ist hierfür optimal. Ist die Salbenbasis zu warm, verdampft ein Teil der ätherischen Öle bereits bei der Verarbeitung, was auch eine starke Wirkung auf die Atemwege haben kann. Daher sollte man, wenn möglich unterm Dampfabzug oder in einem gut belüfteten Raum arbeiten. Lässt man die Salbenbasis zu stark abkühlen, wird sie fest, und man kann die Wirkstoffe nicht mehr gut einarbeiten.
Bei einer Temperatur von ca. 40 bis 45°C arbeitet man das Levomenthol ein. Bei dieser Temperatur lässt es sich gut lösen, ohne dabei zu verdampfen. Erst danach werden die ätherischen Öle nacheinander zugetropft und sorgsam eingerührt. Wenn man einen weißen Tigerbalsam zubereiten möchte, verwendet man nur die kühlenden Wirkstoffe. Für den roten Tigerbalsam werden auch die wärmenden Wirkstoffe zugefügt. Als Faustregel bei der Mengenbemessung gilt: 20 Tropfen äth. Öl entspricht ungefähr einem Milliliter an Flüssigkeit.
Bei den ätherischen Ölen ist unbedingt auf gute Qualität zu achten. Es sollten nur natürliche, ätherische Öle verwendet werden. Bestenfalls lässt man sich hier vom Apotheker seines Vertrauens beraten. Auch sollte vor der ersten Verwendung ein Verträglichkeitstest auf dem Handrücken oder in der Armbeuge durchgeführt werden. Dazu wird das Öl mit etwas fettem Trägeröl vermischt und vorsichtig auf die intakte Haut aufgetragen. Entstehen nach einiger Zeit keine Hautreizungen oder andere Reaktionen, kann das Öl in der Zubereitung verwendet werden. Desweiteren sind immer die Sicherheitshinweise des Herstellers zu beachten.
Sind nun alle Bestandteile gut vermischt, wird der noch flüssige Balsam in vorbereitete Braunglastiegel abgefüllt und verschlossen. Aufgrund der enthaltenen ätherischen Öle sollte man hier keine Kunststofftiegel verwenden. Auch sollte man den Balsam verschlossen abkühlen lassen, damit die enthaltenen Öle nicht verdampfen. Da es sich hier um eine wasserfreie Zubereitung handelt, ist eine Bildung von Kondenswasser im Inneren des Tiegels auszuschließen. Ist der Balsam fertig abgekühlt, ist er fertig zur weiteren Verwendung. Die Haltbarkeit richtet sich hier nach dem verwendeten Trägeröl.
Tigerbalsam eignet sich gut zur Förderung der Hautdurchblutung bei Muskel- und Gelenksbeschwerden, nach Sportverletzungen wie Prellungen oder Verstauchungen, bei unspezifischen Erkältungen, Kopfschmerzen oder bei kalten Füßen. Dabei sollte der Balsam nur äußerlich auf intakte Haut aufgetragen werden. Er sollte nicht im Bereich der Augen oder der Schleimhäute verwendet werden. Und vergesst nicht, nach einer wohltuenden Massage mit Tigerbalsam gründlich die Hände zu waschen bevor ihr euch ins Auge fasst oder den Kater des Hauses streichelt. In diesem Sinne wünsche ich euch gutes Gelingen!