Die heiße Zeit des Jahres bricht nun langsam an, und Viele von uns zieht es nun ins deutlich kühlere Gebirge. Nicht nur erfahrene Alpinisten genießen die luftigen Höhen. Zwischen grünen Alpenmatten und würzigen Bergkräutern kann man die Seele so richtig baumeln lassen und die Sorgen des Alltags bleiben weit unten im Tal. Man genießt die Ruhe, den Frieden, die Freiheit und die Weite, trinkt aus den klaren Gebirgsbächen und trifft unterwegs nur gelegentlich auf einen Wanderer oder Steinsucher.

Laut österreichischem Bergrecht ist es dem Wanderer erlaubt Mineralien zu sammeln, sofern es sich dabei um ein bloßes Sammeln, also das Aufsuchen in lockerem Gestein oder in Bachbetten handelt. Auch ist es erlaubt Hilfsmittel, wie kleine Hämmer oder Meißel zu verwenden, um das Mineral aus dem Muttergestein zu lösen. Werden allerdings durch das Sammeln Wurzeln, Äste oder ganze Bäume beschädigt, Wasserläufer zu- oder abgeleitet und Steine oder Waldboden in Bewegung gesetzt, wird dies nach dem jeweilig geltendem Landes- Forstgesetz oder Wasserrechtsgesetz geahndet. Weiters ist natürlich zu beachten, ob ein ausdrückliches Verbot des Grundstückeigentümers vorliegt, oder einzelne Naturgebilde unter Naturdenkmalschutz stehen.

Der erfahrene Steinsucher findet nicht nur Pyrit, Bergkristall und Sphen, sondern kennt auch so manchen Geheimtipp wie das in den Hohen Tauern gelegene Habachtal, welches aufgrund seines Smaragdvorkommens in Mitteleuropa einzigartig ist.

In ihrer Edelsteinkunde empfiehlt Hildegard von Bingen den Smaragd bei Schwächezuständen, Migräne, Gastro-kardialen Beschwerden oder Epilepsie als Kette zu tragen oder auch wiederholt in den Mund zu nehmen. Eine tatsächliche Wirkung dieser sogenannten Edelsteintherapie ist allerdings wissenschaftlich nicht belegt.

Ganz anders verhält es sich da mit den heilkräftigen Gebirgspflanzen. Eines der bekanntesten Bilder dazu, ist fälschlicherweise der blaue Alpen-Enzian (Gentiana alpina), welcher gerne die Etiketten von so manchem verdauungsförderndem Feuerwasser ziert. Tatsächlich handelt es sich bei der Heilpflanze Enzian um den gelben Enzian (Gentiana lutea), aus dessen frischer Wurzel der Enzian Brandwein gewonnen wird. Die Enzianwurzel gilt als traditionelles Arzneimittel und wird pulverisiert in Dragees, als Tee oder als alkoholischer oder wässriger Auszug bei Appetitlosigkeit oder Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl oder Blähungen eingesetzt.

Ein weiterer bekannter Vertreter der alpinen Heilpflanzen ist der echte Arnica (Arnica montana) oder auch Bergwohlverleih genannt. Er wurde 2001 zur Arzneipflanze des Jahres gewählt und steht in freier Natur, ebenso wie der Alpen-Enzian unter Naturschutz. Als traditionelles, pflanzliches Arzneimittel können Arnikablüten äußerlich zur Behandlung von Blutergüssen, Verstauchungen oder Muskelschmerzen eingesetzt werden.

Der Nationalpark Hohe Tauern erstreckt sich über eine Fläche von über 1800 km2 und bietet einen geschützten Lebensraum für rund 10 000 verschiedene Pflanzenarten. Manche davon sind noch häufig anzutreffen wie der Frauenmantel (Alchemilla), die Schafgarbe (Achillea) oder der Augentrost (Euphrasia), welcher in der anthroposophischen Therapie, sowie auch volkstümlich als Waschung bei verschiedenen Augenkrankheiten eingesetzt wird.

Andere Arten müssen laut der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) besonders geschützt werden. Darunter befinden sich viele Orchideenarten wie das gewöhnliche Kohlröschen oder das gefleckte Knabenkraut welches früher in der Volksmedizin als Aphrodisiakum eingesetzt wurde.

Auch besonders giftige Vertreter des Pflanzenreichs sind hier anzutreffen, wie zB der gelbe Wolfs-Eisenhut (Aconitum lycoctonum), dessen Alkaloide bei bloßer Berührung durch die Haut aufgenommen werden können. Ebenso der weiße Germer (Veratrum album) enthält giftige Alkaloide und kann im nichtblühendem Zustand leicht mit dem gelben Enzian (Gentiana lutea) verwechselt werden.

Somit ist im Gebirge immer auch die eigene Sicherheit oberstes Gebot und kein Schritt sollte unbedacht gesetzt werden. Dies zu beachten kann so manchen kostspieligen Hubschraubereinsatz verhindern.

 

http://www.gastein.com/de/pflanzen-nationalpark-hohe-tauern

http://www.zobodat.at/pdf/CAR_179_99_0291-0293.pdf

https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR11006225

http://www.bmwfw.gv.at/EnergieUndBergbau/Montanhandbuch/Documents/MHB2013.pdf

https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblPdf/1999_191_1/1999_191_1.pdf

Die Edelstein-Heilkunde der Hildegard von Bingen (Wighard Strehlow ISBN 3-8289-2085-3)

http://www.hohetauern.at/de/naturraum/tiere-und-pflanzen/tiere.html

http://www.koop-phyto.org

das große Buch der Heilpflanzen (Apotheker M. Pahlow, ISBN: 3-8289-2090-x)

http://www.borg-mittersill.salzburg.at/Archiv/02-03/Proj&Veranst%2002-03/Wasenmoos/Moorfuehrungen/Heilpflanzen-Juli-07.pdf

 

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