Pflanzen haben viele Namen. Neben der botanischen Bezeichnung, die international gültig ist, sowie dem Namen in der jeweiligen Landessprache, gibt es auch vielerlei volkstümliche Bezeichnungen, die sich regional unterscheiden können. Meistens spiegeln sich in diesen Volksnamen bestimmte Eigenschaften der Pflanzen wieder. Dabei kann es um bestimmte Merkmale der Pflanze gehen, aber auch um die Heilwirkung, die Jahreszeit in der die Pflanze auftritt oder Sagen und Mythen die mit der Pflanze in Verbindung stehen.

Beim Tausendgüldenkraut etwa, spiegeln sich diese Eigenschaften auch im deutschen Namen wieder. Laut einer Legende ist die Heilkraft dieses Krauts so stark, dass es tausend Gulden wert ist. Andere volkstümliche Namen bezeichnen es auch als „Hundertgüldenkraut, Gottesgnadenkraut, Fieberkraut, oder Bitterkraut“. Doch auch die botanische Bezeichnung „Centaurium erythraea“ bezieht sich auf bestimmte Eigenschaften. So geht der Gattungsname „Centaurium“ auf die griechischen Zentauren zurück, welche als sehr heilkundig galten und das Kraut zur Wundheilung nutzten. Das Artepitheton „erythraea“ bezieht sich auf die rötliche Blütenfarbe.

Manche dieser Volksnamen sind überregional bekannt und nahezu gleichgestellt mit der offiziellen landessprachlichen Bezeichnung. So ist zum Beispiel das gefleckte Lungenkraut überall als „Hänsel und Gretel“ oder „Brüderchen und Schwesterchen“ bekannt. Egal wo man sich in Österreich oder Deutschland befindet, fast jeder Kräuterfreund kennt diese Namen. Auch der verwandte Beinwell ist weitgehend als „Wallwurz, Beinwurz oder Knochenheiler“ bekannt. Die Pusteblume oder das Maßliebchen benötigen wohl keiner weiteren Erklärung, um hier nur einige Beispiele zu nennen.

Interessant wird es, wenn sich volkstümliche Bezeichnungen regional auf verschiedene Pflanzen beziehen. So kann die Bezeichnung „Butterblume“ verschiedene gelbblühende Wiesenblumen benennen. Abhängig von der Region versteht man unter „Butterblume“ die gelben Blüten verschiedener Hahnenfüße aber ebenso die des Löwenzahns, der Sumpfdotterblume, der Trollblume und vereinzelt sogar der Ringelblume.

Der „Holler“ war mir von Kindesbeinen an als Kurzform vom Holunder bekannt. So war es für mich etwas verwirrend, als ich durch meine Kräuterfreunde über dieselbe Bezeichnung für den Wacholder stolperte, welcher mir doch klar als „Kranewitt“ bekannt war. Dafür wird der Holunder in manchen Regionen als „Flieder“ bezeichnet, was gleichzeitig der deutsche Name vom „Syringa“ ist. Um die Verwirrung noch etwas zu vertiefen wäre hier auch der die „Elfenblume“ (Epimedium) zu nennen, die gleichzeitig einer der volkstümlichen Namen der Akelei ist, die man wiederum ebenso als Elfenschuh oder Narrenkappe kennt.

Selbst bei den „Märzenbechern“ oder beim „Sonnwendhansl“ ist die Sache nicht ganz klar. So kann sich der „Märzenbecher“ sowohl auf die Frühlingsknotenblume aber auch auf die Narzissen beziehen. Der „Sonnwendhansl“ als Bezeichnung für das Mädesüß hat zwar sogar einen eigenen Eintrag im „boarischen Wikipedia“, dennoch kann damit regional auch der nahverwandte Waldgeißbart gemeint sein. Die Teufelskralle in der Heilkunde ist die afrikanische „Harpagophytum procumbens“ und somit eine ganz andere Pflanze als die alpine Familie der „Phyteuma“.

Man könnte diese Beispiele wohl endlos weiterführen. Doch zeichnet sich ganz klar ab, nicht nur bei den volkstümlichen Bezeichnungen, sogar bei den Pflanzennamen in der jeweiligen Landessprache gibt es immer wieder Überschneidungen die zu fatalen Verwechslungen führen können. Wer also meint, andere maßregeln zu müssen, weil eine Pflanze vermeintlich falsch bezeichnet wird, sollte dies wohl vorher erst hinterfragen. Denn vielleicht handelt es sich einfach nur um einen regionalen Unterschied im Volksnamen, den man selbst noch nicht kennt. Selbst als erfahrener Kräuterfreund lernt man hier ständig neu dazu. Damit wird auch klar, wie wichtig die botanische Bezeichnung der jeweiligen Pflanzen ist. Diese ist für jede Pflanze eindeutig und auch international anerkannt und zuordenbar.

Doch führen wir diese Betrachtung noch etwas weiter. Denn auch unsere Sprache wandelt sich im Laufe der Zeit. Begriffe und Namen ändern mit dem Wandel der Kultur ihren Kontext. Dieser Bedeutungswandel, wie dieser dynamische Prozess in der Linguistik genannt wird, macht klar, warum manche Bezeichnungen in früheren Epochen oft eine ganz andere Bedeutung hatten. Auch wenn wir heute auf vielerlei antike Schriften oder mittelalterliche Heilkräuterbücher zurückgreifen können, so ist es selbst für erfahrene Experten nicht immer eindeutig und klar, welche Heilpflanze in einer alten Rezeptur wirklich gemeint ist. Ein bekanntes Beispiel ist „Soma“ welche in alten vedischen Texten als heilige Quelle bezeichnet wird und eine wichtige Zutat in bewusstseinserweiternden Tränken war. Manche Forscher vermuten dahinter die Ephedra oder möglicherweise auch Cannabis. Ja sogar der Fliegenpilz (Amanita muscaria) zählt zu den möglichen Kandidaten. Klar ist, dass die genaue Identität der Pflanze zahlreichen Botanikern und Historikern noch immer Rätsel aufgibt und bis heute ein Mysterium bleibt.

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