Als Baumperlen bezeichnet man Wucherungen an der Rinde verschiedener Laub- und Nadelbäume. Oft entstehen sie an einer Stelle, wo der Baum kleinere Verletzungen ausheilen musste. Sie bestehen aus einem hölzernen Kern mit einer feinen Maserung und sind von Rinde umhüllt. Meist sind sie sehr reich an Baumharz.

Im Volksglauben heißt es, Baumperlen tragen die Heilkraft des jeweiligen Baumes in sich. Man darf sie allerdings nur nehmen, wenn man sie leicht von Hand pflücken kann. Erst dann ist der Baum mit seinem eigenen Heilungsprozess fertig. Sitzen die Baumperlen noch fest auf der Rinde, darf man sie noch nicht entfernen. Als Amulett oder Schmuckstück getragen sind sie vor allem im Kunsthandwerk beliebt.

Darf man nun ein solches „Geschenk des Baumes“ sein eigen nennen, muss man es erst von seiner Rinde befreien. Dazu gibt es verschiedene Empfehlungen zur Verarbeitung. Am besten ist es, die Rinde von Hand zu schälen, wenn die Baumperle noch frisch ist. Dies erfordert ein gewisses Maß an Geduld und ist eine schöne, meditative Tätigkeit. Sitzt die Rinde an bestimmten Stellen noch sehr fest, kann man vorsichtig mit einem feinen Messer etwas nachhelfen. Doch sollte man hierbei achtsam sein, den inneren Holzkern oder die eigenen Finger nicht zu verletzen. Meist ist die dünne Schicht zwischen Rinde und Holzkern feucht und von Harzkanälen durchzogen, sodass sie sich mit etwas Geduld gut per Hand schälen lässt.

Je älter und trockener die Baumperle ist, umso schwieriger ist sie zu schälen. Hier bin ich über Empfehlungen gestolpert, man solle die Baumperlen mit Wasser auskochen um sie leichter zu schälen. Diese Methode habe ich allerdings nicht angewendet. Durch das Wasser quillt das Holz auf und wird faserig. Der Holzkern selbst wäre dadurch weicher und aufgequollen und somit schwerer zu verarbeiten. Außerdem nutze ich die wertvolle Rinde und das Harz als Räucherwerk, was durch das Auskochen mit Wasser nicht möglich wäre. Gerade bei einem so besonderen „Geschenk des Baumes“ ist es durchaus wert, es respektvoll mit Geduld und Bedacht zu verarbeiten.

Ist die Rinde entfernt, hat man den harten Holzkern freigelegt. Dieser ist meist durchzogen von sehr feinen Harzkanälen. Die feinen Strukturen kann man mit einem geeigneten Feinwerkzeug noch weiter freilegen. Dabei achte ich besonders darauf, die feine Maserung des Kerns nicht zu beschädigen. Wer die Baumperle als Amulett oder Schmuckstück weiterverarbeiten möchte, der arbeitet an dieser Stelle mit feinem Sandpapier weiter, um den Holzkern zu polieren und in Form zu bringen. Zum Schluss wird die Holzperle mit etwas Öl eingelassen. 

Jede Baumperle hat ihre ganz eigene individuelle Form. Manche sehen aus wie Tiere oder Gesichter, andere erinnern an innere Organe oder Phantasiewesen. Daher war es mir ein Anliegen, ihnen diese Form auch zu lassen und den Kern nicht durch Schleifen oder andere Bearbeitung in eine andere Form als seine ursprüngliche zu bringen, da es ja gerade diese ist, welche die Baumperle so besonders und einzigartig macht.

Essentiell für die Holzpflege sind wertvolle, fette Öle. Ob man nun die Holzplatte von Großmutters antiker Anrichte damit einlässt, oder eine handgepflückte Baumperle mit kunstvoller Maserung. Beides erfordert einen sorgfältigen Umgang. Da man mit Öl auch festgewordenes Baumharz aus den feinen Kanälen der Baumperlen lösen kann, habe ich den Versuch gewagt, die Baumperlen vorsichtig in Pflanzenöl zu erwärmen. Mit dieser Methode kann man auch sehr feine Harzkanäle freilegen, die man mit Werkzeug nicht mehr bearbeiten kann. Durch das sanfte Erwärmen wird das Baumharz weich und löst sich im entsprechenden Öl. Die Baumperle selbst wird dadurch optimal gepflegt und muss danach nur noch poliert werden. Das verwendete Öl wird angereichert mit dem wertvollen Harz der Baumperlen und erhält so einen ganz wunderbaren Duft. Bei der Verarbeitung sollte man unbedingt darauf achten, keine zu hohen Temperaturen zu wählen. Eine mäßige Wärme über einen längeren Zeitraum ist optimal um die oberflächlichen Harze der Baumperle gut zu lösen. Außerdem sollte man bei längeren Auszügen mit Wärme immer zugedeckt arbeiten, damit die leicht flüchtigen Stoffe im Harz nicht entweichen.

Beim Öl selbst ist jedes hautfreundliche Öl erlaubt das man verwenden möchte. Um den feinen Duft des Baumharzes nicht zu beeinflussen, habe ich hier ein Öl mit wenig Eigengeruch gewählt. Man kann natürlich auch ein Öl wählen, dessen Eigenduft gut mit Baumharz kombinierbar ist. Gut geeignet sind Mandelöl, Jojobaöl oder auch Sonnenblumenöl. Am besten man geht hier nach dem eigenen Geschmack.

Sind die Baumperlen im Öl fertig ausgezogen, fischt man sie heraus, lässt sie gut abtropfen und poliert sie mit einem feinen Tuch, das wenig fasert. Das Baumperlenöl selbst wird nochmal abfiltriert um feine Schwebeteilchen zu entfernen. Anschließend wird es in Braunglasflaschen abgefüllt und kann als Körper- und Massageöl verwendet werden. Ich habe für mein Baumperlenöl ausschließlich Baumperlen von Nadelbäumen wie Fichte, Kiefer und Tanne verwendet. Diese lassen sich gut miteinander kombinieren. Versuche mit Laubbäumen stehen derzeit noch aus. Das Harz von Nadelbäumen wird volksmedizinisch sowohl für Erkältungskrankheiten wie auch bei rheumatischen Beschwerden und Muskel- und Gelenksschmerzen verwendet. Eine ähnliche Anwendung kann man auch dem harzreichen Baumperlenöl zusprechen.

Dieses Jahr war der Wald sehr großzügig und ich durfte einige Baumperlen finden. Dankbar für diese wertvollen Geschenke wurde auch wirklich jeder einzelne Teil davon verarbeitet. Die Rinde für Räucherwerk, das Harz für Baumperlenöl und der Holzkern als Amulett oder Figur in einem kleinen Wald-Diorama. Die Arbeit selbst empfand ich als sehr meditativ und sie erfüllte mich mit Ruhe, Freude und Gelassenheit. In diesem Sinne wünsche ich euch viel Freude beim Finden und Verarbeiten eurer Baumperlen.

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